Einführung und Dank

von Christa Sattelmayer

 

Die zehnte 24-Std. Aktion in der Technischen Universität München in Garching

Eine gelungene Symbiose von Kunst und Wissenschaft

 

 

Tatsächlich - das "Zusammenleben ungleicher Lebewesen zu gegenseitigem Nutzen " - hätte besser nicht gelingen können.

Zwar nur ein Zusammenleben für 24 Stunden, aber immerhin genug Zeit, um sich kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und natürlich Kunst zu schaffen.

Das Ergebnis hat uns beeindruckt, aber beginnen wir doch mit dem Anfang:

Zunächst war da einmal die Idee die Künstler, des Erdinger Kunstvereins zur 24 Stunden Aktion in die Technische Universität einzuladen.

Schon im letzten Frühling hatte sich durch unsere Ausstellung der Drahtskulpuren von Maria Munz-Natterer gezeigt, dass die Architektur der neuen Technischen Universität München in Garching zur Präsentation von Kunstwerken hervorragend geeignet ist. Bestimmt hätten die Studenten auch Freude an etwas "action".

Der Kunstverein Erding nahm unsere Einladung an und als Aktionsdatum wurde der 15/16 Juni festgelegt. Bodo Gsedl entwarf die Einladungen und die Plakate, wir übernahmen die Organisation der Verpflegung für Künstler und Gäste während 24 Stunden.

Am Samstagmorgen des 15 Juni fanden sich 14 Künstler in der Magistrale der Technischen Universität ein, um sich von der Wissenschaft inspirieren zu lassen. Ein traumhaftes Wetter und auch die Fußballweltmeisterschaft konnten sie nicht von der Idee abbringen, sich für 24 Stunden nur der Kunst zu widmen. Die meisten von ihnen hatten ein paar Tage zuvor zusammen mit meinem Mann eine Rundgang durch die Labore des Lehrstuhls für Thermodynamik gemacht. Wir waren gespannt, wie die Flammen der Verbrennungsforschung und die Blasen der Siedevorgänge nun in Kunst umgesetzt wurden. Gegen 11 Uhr wurden Farben, Pinsel, Abdeckfolien und Liegestühle in die Magistrale der TU geschleppt. 42 großformatige Leinwände wurden schon Tage zuvor auf einer Palette in der Uni angeliefert.

Auch wir hatten schon für einen größeren Vorrat an Getränken und Verpflegung gesorgt. Die Aktion konnte also beginnen. Langsam wurden die ersten Pinselführungen auf den Leinwänden sichtbar. Einige malten auf dem Boden, andere hatten die wenigen Tische in der Magistrale okkupiert. Ein buntes Treiben, das die Magistrale sichtbar belebte. Leider konnte ich nicht die ganze Zeit zuschauen, war ich doch als Organisatorin für das leibliche Wohl der Künstler zuständig. Ich gab mir wirklich Mühe, ist doch bekannt, dass gutes Essen Leib und Seele zusammenhält. Bedeutete doch dies, dass nur der Künstler, der sich wirklich wohlfühlt, besondere Leistungen erbringen kann - und es schien zu wirken. Auf den Leinwänden tat sich Erstaunliches. Es war wirklich faszinierend, die verschiedenen Techniken anzuschauen.

Langsam kamen auch die ersten Besucher. Einige Mutige schnappten sich Pinsel, Farbe und eine Leinwand und begannen mit einer Gruppenarbeit. 4 spontane Maler an einer Leinwand: jeder nahm sich eine Ecke vor. Zunächst noch sehr vorsichtige Pinselstriche, die dann aber sichtbar kräftiger wurden. Lange wurde beratschlagt, wie nun die 4 Teile der bemalten Leinwand zu einem künstlerischen Ganzen zusammengefügt werden könnten. Tipps unserer erfahrenen Erdinger Aktionskünstler wurden gerne angenommen.

Ich war begeistert von den "Arbeitsfortschritten" auf den einzelnen Leinwänden. Einige der Künstler hatten sich in einem nahe gelegenen Müllcontainer mit Metallspänen, Zahnrädern, Kabeln und anderem Elektroschrott versorgt. Auf den Leinwänden von Anne Byszio, Eva Sarosi, Hannelore Stephani und Josephine Pavlik wurde dieser in vielfältiger Art und Weise "eingearbeitet". Auch ein paar ausgediente Poster des Lehrstuhls für Thermodynamik dienten als Unterlage für Kunstwerke. Worte und Motive der Poster fanden sich in den Kunstwerken wieder. Annemarie Werhazy beeindruckte mich durch ihre "Verlustfortpflanzung". Gelang es ihr doch tatsächlich Worte wie "Verlustfortpflanzung und optimales System" in ein nacktes Paar einzupflanzen.

Claudia Rester ließ sich durch die Architektur der Magistrale inspirieren. Auch Teile der Versuchseinrichtung eines der Promoventen meines Mannes wurden von ihr künstlerisch in ihrem Werk verarbeitet.

Einige der Künstler schienen durch die zuvor gesehenen Flammen der Verbrennungslabors beindruckt zu sein. Bodo Gsedl malte geradezu ein Flammenmeer, das sich explosionsartig ausbreitete und auch Elisabeth Lex hatten es die "Flammen" angetan. Luise Ringel setzte Enegiefelder in Farben um.

Unbeeindruckt von der Kunst schien lediglich Gsedls Hündin Sina, die auf dem Boden liegend, zwischen den Kunstwerken, schlief.

Kirsten Knauft ließ sich von der Musik ihres Walkmans zu ihren Gemälden "Gelb" und "Rot" inspirieren, während sich Hans Peis eher zu dunklen und schwarzen Tönen hingezogen fühlte.

Im Kopf des "PH.D." von Uta Gsedl schienen Zahlen und Formeln geradezu herumzuschwirren.

Bei Sabine Penzenstadler gab es für Stunden nur Gelbtöne zu sehen. Plötzlich tauchte auch etwas Rot auf und ein paar Stunden später war die "Ikara" sichtbar - das weibliche Gegenstück zum Ikarus - das natürlich nicht abstürzt.

Christine Bittner arbeitete als einzige nicht mit Farbe und Leinwand. Zwei Tonskulpturen entstanden unter ihren Händen. Beim "Warion" einer Technikechse interessierte sie die Zusammenführung von Natur und Technik.

Überall wurde konzentriert gearbeitet aber auch viel gelacht, diskutiert und kritisiert. Immer wieder wurden Besucher - Studenten, Professoren, Mitarbeiter des Lehrstuhls für Thermodynamik, Freunde und Verwandte - begrüßt. Meine Freunde aus München hatten sich vorgenommen - zum ersten Mal im Leben - zu malen, und zwar "ein thermodynamisches Bild". Also wurde aus den Farben des Lehrstuhllogos rot und blau eine Leinwand bemalt und das nach Mitternacht. Zur entgültigen Fertigstellung kamen dann Tipps und Ratschläge von mindestens 10 Kunstintessierten. Auch auf die Frage von Annemarie Werhazy, wie denn ein dynamischer Pfeil aussähe, gab es zwischen 1 und 2 Uhr nachts noch jede Menge konstruktive Aussagen.

Vom Kunstgenuß beflügelt, hatte ich den Eindruck überhaupt nicht müde zu werden. Etwas Schlaf von 3.00 - 6.00 Uhr musste ausreichen. Einige der Künstler arbeiteten ganz ohne Schlaf.

Sonntags nach dem Frühstück konnten die fertigen Werke endlich an den Ballustraden und Treppengeländern aufgehängt werden.

Erst da sah ich die bemalte Papprolle. Tatsächlich war das doch die Rolle auf der unsere Abdeckfolie aufgewickelt war. Josefine Pavlik machte wirklich aus allem Kunst.

Mein Mann und ich - ich denke aber auch alle anwesenden 14 Künstler - waren wirklich glücklich und zufrieden. Das Resultat der 24 Stunden Aktion konnte sich sehen lassen, die Symbiose von Kunst und Wissenschaft hätte nicht besser gelingen können.

Die anschließende Ausstellung der 35 Kunstwerke wurde in der Technischen Universität sehr positiv aufgenommen.

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