Süddeutsche Zeitung:

Landkreis Nord

Ausstellung in der TU Garching

Eins werden mit Raum und Seele

Im Lehrstuhl Thermodynamik: 14 Künstler malen in 24 Stunden 35 Bilder

 

Garching:

Genau das ist es, was die TU in Garching braucht: einen kreativen Kick oder weniger hochtrabend ausgedrückt, kunstbegeisterte Menschen, die etwas in die Hand nehmen. So zum Beispiel der Lehrstuhl für Thermodynamik. Er lässt es nicht bei einer Vernissage, sondern experimentiert und versucht - das ist das Wichtigste - die TU zu beleben und den studentischen Geist mit Seele zu erfüllen.

Auf Einladung des Lehrstuhles kamen also 14 Mitglieder des Kunstvereins Erding nach Garching, packten Farbe, Pinsel und Leinwand aus, ließen sich von der Architektur, vom Raum und der Zeit inspirieren - 24 Stunden lang. Die Rechnung ging auf. 35 Werke entstanden - unterschiedlich in ihrem Sujet, unterschiedlich in Technik und Farbgebung. Und plötzlich wird das ach so Präzise aufgeweicht, plötzlich verschwimmen die Grenzen zwischen logischer Formel und emotionaler Empfindung. Besonders merkt man das an den Bildern, die Studenten und Assistenten gemeinsam kreierten: Farblich intensiv ohne erkennbare Logik oder durchkomponierter Basis sind sie Seelensprache pur. Berechenbares versenkt sich im Strudel von Farben, losgelöst von Kunstdogmen. Natürlich haben sich die Künstler an dem bedient, was sie gefunden haben: Abfall aus den Labors, Metallschrott oder alte TU-Plakate. Und natürlich finden sich dieses Utensilien wie Metallspäne oder Metallscheiben in den Bildern wieder. Wie Sprechblasen purzeln Formeln aus dem Kopf von Uta Gsedl, wie olympische Ringe legen sich Metallkreise auf Farbspuren (Hannelore Stephani). Und plötzlich sieht man sich durch ein Bild inmitten der TU stehen. Unwillkürlich dreht man sich um, vergleicht das Reale mit dem scheinbar nicht Wirklichen. Der Raum wird dupliziert, spiegelt sich selbst ("TUM", Claudia Rester). Den Kopf stetig nach oben gedreht, bleibt man plötzlich an einem Bild, fast auf Augenhöhe, stehen: "VerlustfortpfIanzung" nennt Annemarie Werhazy ihr Bild. Ein altes TU-Plakat, eingebaut in die Nacktheit des Menschlichen thematisiert den Widerspruch zwischen Segen der Technik und Horrorvision. Belastet die Technik das Menschwerden? Ist das ein Verlust im Anbetracht des menschlichen Irrens? Doch "Ikara" (Sabine Penzenstadler) räumt mit dieser Sorge auf. Das weibliche Pendant zum Sonnenflügler ist stark und selbstbewusst.

NICOLE GRANER


Süddeutsche Zeitung:

Erding

24-Stunden-Aktion des Kunstvereins Erding

Inspiriert von Laboren und Professoren

Auf dem Forschungsgelände der TU Garching entstehen 35 Arbeiten, die nun auch ausgestellt werden.

 

Erding/Garching:

Sie haben sich schon für 24 Stunden am Flughafen unter dem Segel des Munich Airport Centers den neugierigen Blicken von Besuchern und Fluggästen gestellt. Sie schwangen in Badeanzug oder Badehose in der Therme den Pinsel, ernteten beim Sinnflut-Kulturspektakel erstaunte Blicke oder erweckten auch schon mal einen Schlachthof zu einem neuem Leben ohne Tod. Inzwischen sind sie legendär und es gab sie bereits in zehnfacher Auflage, die alljährlichen 24-Stunden-Aktionen des Kunstvereins Erding, und garantieren alleine schon durch die ,,Austragungsorte" für stets neue Aspekte und Überraschungen.

In diesem Jahr war die Technische Universität Garching Atelier fur einen Tag und eine Nacht. 14 Mitglieder des Kunstvereins waren der Einladung von Professor Thomas Sattelmayer, Leiter des Lehrstuhls Thermodynamik und Kunstinteressierter mit Frauenkircherl-Erfahrung, gefolgt, sich in Labors und zwischen Versuchsaufbauten von der Umgebung inspirieren zu lassen. Demzufolge hieB das Thema dann auch Thermodynamik und veranlasste auch einige der besonders unorthodox kreativen Köpfe, sich in einem nahe gelegenen Müllcontainer mit Metallspänen, Zahnrädern, Kabeln oder ausgemusterten Elektronik-Bauteilen zu versorgen, um sich so der Thematik in der Dreidimensionalität zu nähern.

In den Morgenstunden des Samstags hatten die ersten Frühaufsteher ihre Arbeitsutensilien eingepackt, gegen 11 Uhr wurden dann Farben, Pinsel oder die großformatigen Rahmen in das Gebäude des Lehrstuhls geschleppt und auch die eine oder andere Liege war im Gepäck. Denn Schlaf im heimischen Bett gibt es nicht bei den 24-Stunden-Aktionen, es wird durchgemalt, nur unterbrochen von kurzen Ruhepausen, in denen zumeist auch nicht an Schlaf zu denken ist. Dass dies nicht nur eine Behauptung, sondern künstlerische Realitat ist wurde auch in diesem Jahr durch das Resultat der Aktion belegt.

Immerhin wurden gegen Ende des Mal- und Kreativ-Marathons laut Vorsitzendem Bodo Gsedl an den Ballustraden und Treppengeländern der Verwaltung 35 Arbeiten zu einer Ausstellung zusammengestellt und sind jetzt von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr zu besichtigen. Noch bis zum 5 . Juli lautet die Adresse, unter der man das Ergebnis von 336 Stunden Kreativitat bewundern kann: Forschungsgelände der TU Garching, Boltzmannstraße 15.

PET

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