Süddeutsche Zeitung:

Kunst begegnet der Wissenschaft

Eine Symbiose von Form und Raum

Maria Munz-Natterer zeigt im Forschungsgelände Draht-Skulpturen

Garching:

Thomas Sattelmayer Inhaber des Lehrstuhls für Thermodynamik an der TU in Garching, muss bei der SZ-Podiumsdiskussion "Sind wir Kultur" in Garching mit dabei gewesen sein. Denn in seiner Eröffnungsansprache zur Vernissage der Münchner Künstlerin Maria Munz-Natterer im Foyer des Lehrstuhls und dem Unigelände plädiert er für eine Annäherung der Stadt Garching mit dem "Campus" - ein Thema des Garchinger Diskussionsabends. Es gebe ein Leben neben der Wissenschaft, so Sattelmayer. Die Ausstellung sei ein Schritt zur gegenseitigen Annäherung von Kunst und Wissenschaft. Kurz: Eine Begegnungsstätte.

Statisch und streng

Nicht ohne Grund hat wohl auch die Künstlerin ihre Ausstellung "Begegnungen3"' genannt. Schmale Draht-Figuren sind in der Eingangshalle zum Lehrstuhl postiert. Sie sind Teil des täglichen " Kommen und Gehens ", sind unbewegliche Stör-Elemente, Reibungspunkte. Man kommt nicht an ihnen vorbei; damit werden sie zur "Begegnung" mit dem Gegenüber. Die Form im Raum ist es, die Maria Munz-Natterer fasziniert. "Ich möchte die Zeichnung an der Wand aus sich heraustreten, Form werden lassen ", erklärt sie und ihre stelenhaften Skulpturen sprechen diese Sprache. Dicke Drahtbahnen aneinander gereiht, werden zu Körpern, die erst dann lebendig werden, wenn sie zu anderen in Bezug gesetzt werden. Dieser Verschmelzung auf die Spur zu kommen, dauert. Wirken die Skulpturen zunächst doch eher statisch, gerade und streng. Man braucht Zeit, die Drahtgebilde als homogenes Ganzes zu begreifen. Anders wirkt da die Figur "Ikarus", die an exponierter Stelle, in luftiger Höhe am Fenster hängt. Filigran, fast zart, reihen sich hier die Drahtbahnen aneinander. Vorsichtig ineinander verschlungen ergeben sie einen Körper halb Vogel, halb stilisierter Mensch. Die Flügel weit ausgebreitet, fliegt Ikarus der Sonne entgegen. Der Absturz scheint schon vorprogrammiert. Mit dieser Skulptur rückt Munz-Natterer ihrer Vorstellung einer aus dem Bild herausgelösten, räumlich werdenden Zeichnung, am nächsten. Das Drahtgeflecht wird bildlich, der Raurn zur greifbaren Materie. Auch die Figur "Kokon" beeindruckt. Zwei fast dreidimensional wirkende Körper werden eine Einheit, bilden einen Schutzmantel aus Vertrauen und Liebe. Auch hier ist es die Räumlichkeit, die beeindruckt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Mai in der Fakultät für Maschinenwesen (Boltzmannstrasse 15), Lehrstuhl für Thermodynamik auf dem TU-Gelände zu sehen. Mo. bis Fr. von 9-18 Uhr und So. von 14 bis 18 Uhr.

NICOLE GRANER


Münchner Merkur:

Begegnung in der dritten Dimension

Garching (agm):

Ein "fragiles sensibles Etwas" und doch stabil, in sich ruhend. So präsentieren sich, wie es Kunsthistorikerin Barbara Straub bei der Vernissage am Wochenende ausdrückte, die Werke von Maria Munz-Natterer. "Begegnungen3 ", sprich im dreidimensionalen Raum, bietet die aktuelle Skulpturenausstellung mit Werken von Maria Munz-Natterer derzeit im Westteil des großen Fakultätsgebäudes Maschinenwesen.

Ein Beispiel für ein "Leben neben der Wissenschaft" wollte Thomas Sattelmayer vom Lehrstuhl fur Thermodynamik an der Technischen Universität Mü,nchen bieten. Die Erdinger Künstlerin spielt mlt der Zahl 3, formiert Figuren aus Drahtbahnen gern als Paar rnit Kind. Straub beschreibt: "Das zentrale Thema bei Munz-Natterer ist der Mensch, der Einzelne und die Gruppe. Die überlebensgroßen Figuren sind statisch und drücken doch innere Bewegtheit aus. Die Vorderseite bietet Volumen, lässt auf Grund des filigranen Drahtes aber auch die Rückseite erfassbar machen." Der Draht sei ideales Material, das Umschreitung und Einblick von allen Seiten eröffne.

Das "Liebespaar", deren Drahtgeflecht durch eine Haut, dünne Papiere, gehalten werde, zeige "Einigkeit und Gemeinsamkeit", so Straub. "Jedes Kunstwerk produziert beim Betrachter gedankliche Kreativität, Begegnung - mit sich und anderen." So auch der eigens für die Ausstellung geschaffene Torso des sich in die Lüfte erhebenden Ikarus

"Der Kreis schließt sich", meinte Straub in Hinblick auf Thermodynamik und das wissenschaftliche Umfeld: "Wenn wir mal den Absturz des Ikarus außer Betracht lassen, erfreuen wir uns an seinern Höhenflug."

Einige Höhenflüge hat die freischaffende Erdinger Künstlerin selbst schon erlebt. Nicht nur, dass sie Erfolge als Meisterschülerin von Toni Stadler an der Akademie der Bildenden Künste feiern konnte. Sie hat die Taufkrone in der Kirche St. Helena geschaffen, wie auch den "Flötenspieler" vor der Kreismusikschule in Erding und andere Auftragsarbeiten der öffentlichen Hand.

Die "Begegnungen3" mit Munz-Natterers Skulpturen sind in Garching in der TU, Boltzmannstraße 15, bis 18. Mai, werktags von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 14 bis 18 Uhr, zu sehen.


Süddeutsche Zeitung:

Erding

Munz-Natterer stellt in Garching aus

Garching:

Eine Ausstellung besonderer Art wird vom 4. bis 18. Mai in der Technischen Universität München in Garching präsentiert. Zum ersten Mal findet in den Räumen des Lehrstuhls für Thermodynamik mit dieser Ausstellung eine Begegnung zwischen Wissenschaft und Kunst statt: Die Bildhauerin Maria Munz-Natterer zeigt Skulpturen aus ihrem Werk. Frau Munz-Natterer ist freischaffende Bildhauerin in Niederneuching bei Erding.

Ort der Ausstellung ist die Fakultät für Maschinenwesen im Eberhard von Kuenheim-Bau, Lehrstuhl für Thermodynamik, Gebäude MW 7, Garching, BoltzmannstraBe 15. Vernissage am Freitag, 4. Mai, 19 Uhr.

WES

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